Freitag, 19. September 2014

Als E-Trainer negatives Feedback bekommen - und dann?!

Über dieses Thema habe ich mich gestern Abend mit 8 Trainerkolleginnen und -kollegen ausgetauscht.
Sehr spannend was ein solches negatives Feedback mit uns als Trainer macht. Und auch ab wann wir ein solches Feedback, sprich ab welcher "Schulnote" eine Einstufung bereits als negativ empfunden wird.

Einige meinten, dass der Auftraggeber ja oft bereits reagiert, wenn die Bewertung schlechter als 1,8 bis 2 ist. Ein anderes Beispiel, welches genannt wurde war, dass manche Auftraggeber auch gerade solchen guten Bewertungen des Trainers nicht trauen. Frei nach dem Motto: "Der war wohl nur nett zu den Teilnehmern".

Damit stellen sich also verschiedenste Fragen:
  • Ab wann ist ein Feedback tatsächlich negativ?
  • Was ist die (mögliche) Konsequenz aus solch einem negativen Feedback?
Auch Trainer sind ja bekanntlich Menschen - und daher werden auch wir lieber gelobt als kritisiert. Doch haben wir gemeinsam festgestellt, dass negative Kritik trifft.

Um eine solche Rückmeldung konstruktiv aufarbeiten zu können, ist es daher sinnvoll eine Art Strategie zu haben:
  • Wer hat kritisiert? Der Auftraggeber? Die gesamte Gruppe? Einzelne Teilnehmer? ...
  • Was konkret wurde kritisiert? Die Inhalte? Der Ablauf? Die Person des Trainers? ...
Daraus ergeben sich dann Grundlagen, die weiter verarbeitet können.
  • Ist die Kritik berechtigt?
  • Können die kritisierten Punkte vom Trainer beeinflusst werden? Wie? Mit welchem Aufwand?
Gerade als E-Trainer steht man dann noch vor der besonderen Situation, dass sich Teilnehmer gut hinter dem PC verstecken können und dass mit dem Abstand und der Anonymität des Internets Kritik oft schnell bei der Hand ist.

Was wir daraus lernen: Wir sollten uns die Kritik genau anschauen - und ggf. erstmal eine Nacht darüber schlafen, bevor wir unseren Selbstwert schmälern oder hektisch unsere Unterlagen überarbeiten.

In diesem Sinne - ein schönes Wochenende
Anja Röck

Kommentare:

  1. Feedback ist ein schwieriges Thema. Trotz Vorgaben und geschulten Verfahrensabläufen entsteht Betroffenheit. Meist muss zuerst ein innerer Weg zurückgelegt werden bis aus dem Feedback eine konstruktive Unterstützung wächst. Die hier beschriebenen Fragen können meiner Meinung nach helfen schneller einen emotionalen Abstand aufzubauen. Vielen Dank für diesen Beitrag! :-)
    Mit freundlichen Grüßen aus Willstätt
    Isabel Hammermann-Merker
    Systemische Supervisorin und Coach
    www.key-stone.de

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  2. Das Thema beschäftigt mich auch immer wieder und auch meine (Trainer-) Teilnehmer. Ich gestehe, ich kann auch nach 36 Jahren Trainerdasein schlecht mit einer bestimmten Art von Kritik umgehen. Wenn es unkonkret ist und ich nicht genau weiß, was gemeint ist. Wenn es so anonym über das Netz daher kommt und ich nicht nachfragen kann. Wenn ich den Eindruck habe, da will nur jemand Frust ablassen etc.
    Wenn es konkret ist und darüberhinaus konstruktiv, d.h. es Vorschläge gibt, wie ich es anders und für den Teilnehmer besser hätte machen können, kann ich besser damit umgehen. Und immer noch überlegen: ändere ich das jetzt oder nicht?
    Denn wie du auch schriebst: oft kann man es nicht allen Recht machen. Wenn von 15 Teilnehmern einer etwas nicht mag, was die anderen aber toll finden, genau die Methode super brauchen können, mit der der eine grad nix anfangen kann- was soll ich da als Trainerin machen? Außer, dass es ja noch 8 andere Methoden gab, wo sicher auch eine für diesen Teilnehmer dabei ist. (nur so als Beispiel).
    Es hängt vielleicht auch mit unserem eigenen Perfektionismus zusammen, dass wir es am allerliebsten hätten, wenn ALLE Teilnehmer über alles komplett zufrieden und glücklich wären, was wir so anbieten.
    Das hängt aber nicht nur von uns und unserer Arbeit ab, sondern auch von der Situation und den Bedürfnissen der Teilnehmer, die eben komplett unterschiedlich ist.
    Wobei ich standardisierte Feedbackbögen kaum hilfreich für wirklich aussagekräftige Feedbacks finde. Ich nutze in der Regel andere und differenziertere Methoden, die die Teilnehmer dazu zwingen, möglichst konkret zu werden. Da kann ich dann mehr draus lernen.
    Ansonsten denke ich, ist es für uns alle (zumindest für mich :-)), nach wie vor ein großes Lernfeld, gelassener mit Kritik umzugehen, uns selbst auch zu schützen, dass es nicht direkt so reinhaut. Ich plane gerade auch wieder einen Blogbeitrag zu dem Thema "Fehler machen" - und das hängt ja auch irgendwie zusammen.

    Zamyat M. Klein
    Kreativ-Training & Coaching
    www.zamyat-seminare.de/blog

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