Dienstag, 30. Mai 2017

(E-) Trainings & Neurodidaktik (3)

Vier Wochen mit dem Buch "Neurodidaktik für Trainer" (Hütter, Lang, 2017 managerSeminare) - kaum zu glauben.

Und die "12 Prinzipien der Neurodidaktik" faszinieren mich immer mehr, je länger ich mich mit ihnen beschäftige.

Letzen Montag habe ich mir die Prinzipien 5.8 näher angeschaut.  Heute soll es nun um die vier verbleibenden Prinzipien 9-12 gehen.

Meine ursprüngliche Rezension, finden Sie hier.
Meine Betrachnung der Prinzipien 1-4 und meine Ausführungen zu den Prinzipien 5-8 können Sie hier nachlesen.


Nun zu den verbleibenden Prinzipien 9-12:

9.  Emotionen im Lernprozess öffnen Türen

[9. Es gibt mindestens zwei Arten von Gedächtnis, S. 133 Hütter/Lang, Neurodidaktik für Trainer, 2017]

Zitat:
"... dass das Lernen erfolgreicher wird, wenn Lernende ihre Erkenntnisse und Erfahrungen in vielen verschiedenen Gedächtnismodulen ablegen und miteinander verknüpfen."
"Motorische Mitaktivierung" - ist hier das wichtige Stichwort.  "...multisensorisches Lernen funktioniert nach dem Prinzip: je mehr Sinne desto besser."
"Übungen, die Motorik mit einbeziehen ... aktivieren auch andere Gedächtnisarten, diefür die Speicherung von Erfahrungen enorm wichtig sind ... vor allem das emotionale Gedächtnis, das die sehr "nahe gehenden" Erfahrungen mit emotionaler Relevanz markiert.".


Reflexion:
    • Wie kann man "abstrakte" Seminarthemen emotional für die Teilnehmer verfügbar machen?
    • Welche Emotionen sollten bei Teilnehmern auf jeden Fall vermieden, welche unbedingt sichtbar, welche angesprochen werden?
    • Welcher Gesamteindruck, übergeordnete bzw. zusammenfassende Eindruck soll in den Gedächtnissen meiner Teilnehmer haften bleiben?

    Erkenntnis:
    Ich verstehe die Wichtigkeit dieses Prinzips, doch so ganz - habe ich das Gefühl - es noch nicht erfasst zu haben. Hier ist noch Potential zum Nachdenken.
    Welche motorischen Übungen könnte ich ggf. in Webinare einbauen ...
    [Hier sollte ich mal drüber "Zähne putzen" ... :-) nach Prinzip 8]


    * * * * * *

    10.  Wo steht "ich" und wo steht das "wir"?

    [10. Lernen ist entwicklungsabhängig, S. 135 Hütter/Lang, Neurodidaktik für Trainer, 2017]



    Zitat:
    "Selbst in hierarchisch und altersmäßig homogenen Teilnehmergruppen finden sich so beträchtliche Unterschiede hinsichtlich der Wissens- und Erfahrungsbestände, Bedürfnisse, Motive, Persönlichkeiten und Reifegrade.".

    Reflexion:
    • Menschen sind unterschiedlich - und haben unterschiedliche Bedürfnisse!
      -> Auch wenn es sich angeblich um eine "homogene" Webinargruppe handeln soll, kann davon nicht ausgegangen werden!
      -> Auch wenn das Webinar-Thema vom Trainer schon öfter gehalten wurde - ist es doch bei und mit jeder Gruppe anders, auch anders in den Schwerpunkten innerhalb der Thematik.
    • Geübt/Ungeübt, Interessiert/Ablehnend, Alt/Jung, Offene/Verschlossen - jeder Lernende hat seine Geschichte.


    Erkenntnis:
    Am wichtigsten bleibt den Kontakt zu den Lernenden herzustellen - nur so kann das Lernen miteinander und voneinander im Thema gelingen. Also - wo steht "ich" und wo steht das "wir"?
    Vgl. auch Prinzip 12...



    * * * * * *

    11.  Realitätsnah und doch sicheres Lernen - oder so ...

    [11. Komplexes Lernen wird durch Herausforderung gefördert, durch Angst und Bedrohung verhindert, S. 137 Hütter/Lang, Neurodidaktik für Trainer, 2017]


    Zitat:
    "... Lernerfolge stellen sich in einer Umgebung ein, die herausforderungen bietet und zugleich fördernd und motivierend gestaltet ist... ein moderates Maß an Stress ... kann ... die Entstehung neuer Nervenzellen im Hippocampus fördern.
    ... Vertrauen reduziert nicht nur Komplexität, sonder ist auch in besonderem Maße mit der Ausschüttung des Bindungshormones Oxytocin gekoppelt ... wirkt stimulierend auf das Motivationssystem ...".


    Reflexion:

    • Lernumgebung sollte aus meiner Sicht auch im virtuellen Raum genau eben dieser sein. Wie ist er gestaltet? Ist er auch für ungeübte Teilnehmer leicht erfassbar? Was bietet er an interaktiven Möglichkeiten? Wie kann der Trainer motivieren mitzumachen, auszuprobieren, sich einzubringen? Wie können die ersten Schritte hier für die Lerner gut gestaltet sein - ggf. durch kleine Erklärvideos?
    • Wie kann ich als Trainer für eine vertrauensvolle Lernumgebung sorgen? Wie kann der E-Trainer bewusst die Entstehung von Bindung im virtuellen Raum fördern - zwischen Trainer und Teilnehmern und unter den Teilnehmern?

    Erkenntnis:
    Wenn ich an meine Blogbeiträge denke:
    => Vorbild - Verlässlichkeit & Bindung im E-Learning (Blogbeitrag vom 06. März 2017)
    => Wie der E-Trainer (die) Stimmung macht (Blogbeitrag vom 20. Februar 2017)
    ... scheine ich mir hier schon die nötigen Gedanken gemacht zu haben - doch wie immer - dran bleiben lohnt sich!



    * * * * * *


    12.  Trotz gleichem Curriculum, der Transfer klappt besser, wenn die Verbindung steht.

    [12. Jedes Gehirn ist einzigartig, S. 138 Hütter/Lang, Neurodidaktik für Trainer, 2017]


    Zitat:
    ""... die Anknüpfung an die neuroplastische gewordene Individualität eines jeden Menschen ... Insbesondere dort, wo es uns ... gelingt, die Identitätsebene von Teilnehmern zu erreichen, werden die Seminarinhalte auf einer höheren Ebene sinnstiftend. ... Gelingt es, das Seminarthema mit ... übergeordneten Selbstkonzepten zu verknüpfen, so sind sie leichter ins eigene Verhaltensrepertoire integrierbar und kommen mit höherer Wahrscheinlichkeit im Alltag zum Tragen.".

    Reflexion:
    • vgl. Prinzip 10
    • Gleich habe ich noch einmal meine Gedanken zu Prinzip 3 und den, von Prof. Dr. Arnold 1996 formulierten „Kriterien erwachsenengemäßen Lernens“ durchgelesen.
    • Trotz gleichem Curriculum, läuft jedes Webinar anders - was an den jeweiligen Teilnehmern im Einzelnen und deren Bedürfnissen und dem Schwerpunkt der jeweiligen Gruppe liegt.
    • Teilnehmerorientiert vs. Themenorientiert - immer wieder ein wichtiger Aspekt

    Erkenntnis:
    Gerade dieses Eingehen auf die Teilnehmer, deren Bedürfnisse zum Thema und deren (wünschenswerten) Schwerpunkten ist oft nur schwer möglich. Da gibt es zeitliche und finanzielle Rahmenbedingungen des Auftraggebers und ggf. ein Curriculum, dass genau vorschreibt was zu erledigen ist. Da steht am Ende einer Maßnahme vielleicht sogar eine Prüfung.
    Und trotzdem - gerne möchte ich Lernbegleiter sein - dem Teilnehmer zeigen, dass es Spaß macht Neues mit Vertrautem zu verknüpfen. Was es bringen und nutzen kann sich mal aus der eigenen Komfortzone zu bewegen - wie viel es noch zu entdecken gibt!


    * * * * * *
    Das waren nun für mich spannende vier Wochen, die ich mit diesem Buch verbracht habe. Viele Erkentnisse, vieles, dass mich immer wieder zum Nachdenken gebracht hat.
    Vermutlich gibt es immer wieder Neues zu entdecken und weiter zu entwickeln.

    Ich hoffe Ihnen hat dieser Ausflug, näher und tiefer in dieses Buch auch Interessantes gebracht.

    Ich wünsche Ihnen eine gute Woche - und verabschiede mich für die nächsten beiden Montage in die Pfingstferien. Ab dem 19. Juni werde ich hier wieder zu lesen sein... Genießen Sie die Aus- und Offline-Zeit!

    Herzliche Grüße
    Anja Röck





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