Dienstag, 23. März 2021

Nur Präsenzunterricht ist richtiger (!) Unterricht! Echt jetzt?!


Wie viele Begriffe kennen Sie für das Lernen von Schüler*innen, welches nicht in Präsenz in der Schule stattfindet?

Zwei, drei - mehr?

Und bezeichnen diese Begriffe eigentlich tatsächlich immer das selbe, oder sind sie nur das Gleiche - oder vielleicht sogar doch total unterschiedlich trotzdem sie oft synonym verwendet wurden?


Die obige Frage nach den verschiedenen Begriffen habe ich in der letzten Woche einigen Personen gestellt - und eine Liste gemacht.

Hier nun mein Ergebnis:

  • Homeschooling
  • Distanzunterricht
  • Fernunterricht
  • digitaler Unterricht
  • Videokonferenzen
  • Wechselunterricht
  • online Konferenzen
  • hybrider Unterricht


Also acht Begriffe formulieren, wie das Lernen von Schüler*innen stattfindet bzw. stattfinden kann, wenn es nicht in der Schule, in Präsenz geschieht.

Damit zu meiner zweiten Frage:
Bezeichnen diese Begriffe eigentlich tatsächlich immer das selbe?

Und diese Frage gerne noch detaillierter:
Oder, beschreiben die Begriffe oben doch "nur" das Gleiche?

Ich denke, hier liegen wie beim E-Learning, einem Begriff, unter welchem zehn Personen, acht verschiedene Meinungen haben, teilweise sehr unterschiedlich Lernformate vor - trotzdem die Begriffe oft synonym verwendet werden.

Vielleicht liegt es aber auch genau mit daran, dass es so schwierig zu sein scheint Schüler*innen abzuholen, im Lernen zu begleiten und förderlich mit vorhandenen digitalen Möglichkeiten auf ihrem Lernweg zu unterstützen.
 

Begriffe & Details

Halten wir fest:

Fernunterricht muss nicht unbedingt digitaler Unterricht sein!
Fernunterricht habe ich gehört, kann auch bedeuten, dass Eltern Arbeitsblätter an den Schulen abholen und ausgefüllt wieder dorthin zurück bringen.

Homeschooling muss nicht über synchrone digitale Medien stattfinden.
Es kann auch sein, dass Aufgaben per Mail an die Eltern verschickt werden, die Schüler*innen diese dann ausdrucken, mit dem Stift ausfüllen sollen und die ausgefüllten Aufgaben dann eingescannt werden sollen und per Mail zurück geschickt.

Eine online stattfindende Konferenz kann ausschließlich mit vielen eingeschalteten Videos stattfinden, aber ist sie dann auch gleichzeitig eine Videokonferenz?
Und wie stellt der Lehrende dann Inhalte dar? Bezieht die Schüler*innen mit ein? Lässt er die Lernenden Inhalte auch dann selber weiter entwickeln, wenn das Mikrofon nicht wirklich störungsfrei funktioniert?

Und was genau ist eigentlich Wechselunterricht?
Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass die Lehrpläne nicht so angelegt sind, dass die Inhalte auch in der Hälfte der Zeit durchgearbeitet werden können. Trotzdem scheint es doch öfter so zu sein, dass in der einen Woche die eine Hälfte der Schüler*innen in Präsenz einen bestimmten Stoff durchnehmen - und in der Folgewoche, die andere Hälfte der Klasse.
 

Leben wir doch in einem digitalen Entwicklungsland?

Seit 15 Jahren beschäftige ich mit nun mit digitalen Medien für das Online-Lernen & Lehren. Und jedes Jahr habe ich mich aufs Neue gefragt, warum die Möglichkeiten, die digitale Online Lernszenarien anbieten können, nicht gesehen werden.

Durch dieses letzte Jahr wurde verdeutlicht, was alles online möglich ist!

Doch statt hier nun anzusetzen, zu vertiefen, zu verbessern, anzupassen und damit zukünftig genau abzuwägen, wann online Unterricht vielleicht doch eine Alternative sein kann, geht es doch wieder nur um eines: "Wann kann endlich wieder richtiger (!) Unterricht - in Präsenz (!) - stattfinden???!!!"

Ganz ehrlich - diese Sichtweise frustriert mich und macht mich wütend.

 


Digitaler Unterricht ist kein richtiger (!) Unterricht! Echt jetzt?!

Warum kann digital stattfindender Unterricht nicht genauso gut sein, wie Präsenzunterricht?

Ich finde dazu sollten dringend die ganzen Lehrer*innen zu Wort kommen, die sich mit Volldampf in die digitalen Medien gestürzt und tolle Formate entwickelt haben. Diese können uns dazu sicher mehr sagen, was eben doch alles auch online möglich ist.

Fragen wir die Lehrenden, die sich über neue Abläufe und Lernprozesse Gedanken gemacht, diese umgesetzt, ausprobiert und verbessert haben.

Sprechen wir doch mal mit den Schüler*innen, die auch gute Erfahrungen im digitalen Unterricht machen konnten - und lernen wir dadurch, wie wir beispielsweise Kinder und Jungendliche abholen können, die eine besondere Förderung und Unterstützung benötigen.

Wir sollten genau hinschauen, uns viele Notizen machen und überlegen wie wir es angehen könnten und dann loslegen - und nicht nur einfach auf das "richtige Lernen in Präsenz" warten.

Ganz sicher kann nicht alles online gelernt werden - ich bin die Erste, die hier zustimmt. Eine Spritze lasse ich mir beispielsweise lieber von einer Fachkraft geben, die dies manuell und in Präsenz geübt  - und nicht nur online demonstriert bekommen hat.

Und doch kann Online Unterricht so viel mehr sein, als nur ein "Notnagel".

Tatsächlicher hybrider Unterricht - bei welchem die Hälfte der Klasse Zuhause über einen virtuellen Raum dazugeschaltet ist und die andere Hälfte im Klassenzimmer sitzt - kann gelingen, wenn alle über die dafür notwendigen Voraussetzungen und Kompetenzen verfügen.

Ich finde wenn wir nun schon dazu gezwungen sind, diesen Feldversuch gemeinsam "auszuhalten" - dann lassen Sie uns das Beste daraus machen, lernen - und uns weiter entwickeln! 

In diesem Sinne - lassen Sie uns loslegen!

Ich wünsche Ihnen eine gute Woche.

Herzliche Grüße, Anja Röck

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